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25.05.2017

Wenn Diäten gar nichts bringen

Schätzungsweise 3,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einem Lipo-Lymphödem. Würde man aber eine Umfrage starten, müssten die meisten zugeben, noch nie etwas davon gehört zu haben.

In einem Vortrag erklärte Dr. Ludwig Gröber, Oberarzt an der Geomed-Kreisklinik in Gerolzhofen, die Krankheit aus ärztlicher Sicht, Physiotherapeutin Katrin Gröber, selbst Betroffene, referierte über Behandlungsmethoden, und Stefanie Schmidtke beschrieb das Alltagsleben mit der Krankheit.

Von einem Lipödem spricht man, wenn sich das Fett der Unterhaut vermehrt und schmerzvoll auf Druck reagiert. Am häufigsten sind Unterarme und Oberschenkel davon betroffen. Die Krankheit beginnt meistens nach der Pubertät oder einer Schwangerschaft und betrifft fast ausschließlich Frauen.

Sehr selten tritt ein Lipödem bei Frauen mittleren Alters auf. Der Verlauf ist sehr langsam über viele Jahre hinweg, aus diesem Grunde ist die Diagnostik sehr schwierig. Das Fettgewebe wächst und wächst, Wasser lagert sich vermehrt ins Gewebe ein, die Körperproportionen verschieben sich. Typisch ist der schmale Oberkörper.

Betroffene leiden unter Spannungs- und Druckgefühl, das gegen Abend immer schlimmer wird. Blaue Flecken entstehen sehr rasch, das Fettgewebe wird delliger, der Umfangzuwachs an Beinen oder Armen verändert das Aussehen, der Leidensdruck der Patienten wird größer, nicht nur wegen der Schmerzen, sondern auch durch Äußerungen wie „eine Diät wäre wohl mal angebracht“. Betroffene können aber noch so viel hungern, das nutzt nichts. Eine sinnvolle Behandlung im frühen Stadium sind Kompressionsverbände oder -strümpfe, später ist eine komplexe Entstauungstherapie angebracht.

Das Lymphödem unterscheidet zwei Arten: Das primäre, bei dem eine angeborene Schädigung des Lymphsystems vorliegt, und das sekundäre bei dem die Schädigung erworben ist. Es gibt vier Stadien, die bis zur schweren Elephantiasis reichen. Typisch ist eine Schwellung des ganzen Beines, mit tiefen Falten über Sprung- und Zehengelenken. Die häufigste Form des sekundären Lymphödems tritt nach Operationen oder Bestrahlungen auf, zum Beispiel bei Brustkrebsoperationen, bei denen die Achsellymphknoten entfernt wurden.

„Ich war schon immer nicht ganz schlank, habe alles versucht, die verschiedensten Diäten, Sport gemacht, doch alles hat nichts genutzt. Doch Gott sei Dank ich bin nicht schuld daran“. erläuterte Katrin Gröber, Physiotherapeutin und Betroffene der Krankheit. Es gebe drei Säulen der Behandlung: Lymphdrainage, Bewegung sowie Ernährung und Alltagsverhalten. Zu Beginn sei die Entstauungsphase mit anschließender Kompressionstherapie (Verbände oder später Strümpfe) ganz wichtig. Danach rät Gröber zu mehrmaliger manueller Lymphdrainage und zu Entstauungsgymnastik. Sie empfiehlt ausgewogene Ernährung, regelmäßige Spaziergänge und vor allem Treppensteigen. Bei anderen Therapien, mit Lymphomaten, Vibrationsplatte oder Infrarotlicht, mit Entspannungstechniken, Atemtherapie oder Fettabsaugung müsse jeder Patient eigene Erfahrungen machen.

Ich bin verzweifelt, traue mich aufgrund meiner Figur nicht mehr unter die Leute und kann mit niemanden über meine Probleme reden. So denken viele Betroffene.

Doch es gibt Hilfe. Stefanie Schmidtke hat vor einem Jahr eine Selbsthilfegruppe in Haßfurt gegründet, denn auch sie hat das Lipödem. Auch sie hat einen Leidensweg hinter sich, mit Diäten, die nichts brachten.

„Das Gespräch mit den Menschen ist wichtig“, erkannte sie und gründete die Selbsthilfegruppe, die großen Zuspruch findet. Nun will sie mit Katrin Gröber expandieren und eine zweite Gruppe in Schweinfurt gründen. „Wir wollen Erfahrungen austauschen, uns gegenseitig unterstützen, gemeinsame Aktivitäten planen und gemeinsam Projekte auf die Beine stellen“, so Schmidtke.

Sie und Gröber wollen einen Rahmen schaffen, in dem sich Betroffene offen verhalten können, da Informationen in der Gruppe bleiben. Die Selbsthilfegruppe soll Basis für neue Stärke und Schritte in ein selbstbewusstes Leben sein.

Ansprechpartner für die Selbsthilfegruppen sind Monika Strätz-Stopfer, Tel. (0 95 21) 2 73 13, Stefanie Schmidtke, Tel. (01 72) 4 07 06 40, und Katrin Gröber, Tel. (01 73) 3 24 12 65.

Quelle und Foto: http://www.mainpost.de/regional/schweinfurt/Diaet-Physiotherapeutinnen-und-Physiotherapeuten-Selbsthilfegruppen;art769,9604506
© Main-Post 2017



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