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28.07.2017

Leopoldina und Geomed auf dem Weg zur Fusion?

Als „Gesprächsleitfaden“ ist das Papier übertitelt, über dem die Logos des Leopoldina-Krankenhauses der Stadt Schweinfurt, der Geomed-Klinik des Landkreises Schweinfurt und der „Unternehmensberatung im Gesundheitswesen Oberender & Partner“ prangen. Die „Projektbeschreibung“ ist eindeutig: „Oberender & Partner“ berät „Stadt und Landkreis Schweinfurt bei den Überlegungen zu einem möglichen Zusammenschluss ihrer Krankenhäuser“. Eine Fusion also. Bei Gesprächen am 11. und 12. Juli im Leopoldina sollen „ausgewählte Chefärzte und Pflegedirektion“ zugegen gewesen sein.

Leopoldina-Betriebsrat weiß bisher von nichts

Der Betriebsrat des Leopoldina-Krankenhauses weiß bisher nichts von dem „Gesprächsleitfaden“ zur möglichen Fusion beider Häuser. „Wir hatten im Juli eine Aufsichtsratssitzung, da ist kein Wort darüber gefallen“, sagt dessen Vorsitzender Rainer Reichert. Ein konkreter Plan für eine Fusion liege nicht vor, sagt auf Anfrage Leopoldina-Verwaltungsleiter Emil Etzel, es gehe um eine „Bestandsaufnahme“. In der Tat, das Papier nennt sich auch lediglich „Gesprächsleitfaden“.

Stadt: Logische Konsequenz aus der bestehenden Partnerschaft

Die Pressestelle der Stadt Schweinfurt bestätigt, dass Fusionsmöglichkeiten ausgelotet würden, wobei dies angesichts der bereits bestehenden Kooperation keinen neuen Sachverhalt darstelle. Und: Eine mögliche Fusion „wäre die logische Konsequenz der bereits erfolgreich bestehenden Partnerschaft“. Einen konkreten Zeitplan gebe es bislang nicht. „Die „bereits aufgenommenen Gespräche gehen weiter.“

Der Landkreis will den Standort Gerolzhofen sichern

Was bedeutet die Fusion für die Beschäftigten – die Zahl der Arbeitsplätze, die Zukunft der Fachabteilungen in beiden Häusern? Im Detail könnten solche Fragen heute noch nicht beantwortet werden, heißt es in der Stellungnahme der Stadt weiter. Derzeit gebe es „Gespräche über eine mögliche Fusion, nicht mehr und nicht weniger“. Allerdings sei „für die Geomed-Klinik als kleines Krankenhaus die Zukunft ungewiss“, weshalb es nur verständlich sei, „dass der Landkreis auf die Stadt Schweinfurt, den kommunalen Partner, zugeht“. Für den Landkreis gehe „es ganz konkret darum, den Standort Gerolzhofen und die dortigen Arbeitsplätze zu sichern“.

Landrat Töpper: „Das ist nichts Neues“

Seit gut einem Jahr seien die Mitglieder des Leopoldina-Aufsichtsrates über die Fusionsgespräche informiert und würden regelmäßig über den aktuellen Stand unterrichtet. Sobald konkrete Ergebnisse vorliegen, werde auch der Stadtrat entsprechend informiert. Stadträte, soweit sie nicht auch im Aufsichtsrat sitzen, wissen bisher nichts davon.

Landrat Florian Töpper bestätigt, dass derzeit Möglichkeiten einer Fusion geprüft würden. Das sei nichts Neues. Der Verwaltungsrat an der Kreisklinik habe in nichtöffentlicher Sitzung am 16. Mai beschlossen, die Variante Fusion prüfen zu lassen. Dabei handle es sich um eine offene Prüfung, es werde nicht gezielt auf eine Fusion hingearbeitet. Neben einer Verschmelzung beider Häuser gebe es auch mehrere andere Möglichkeiten einer Zusammenarbeit.

Töppers Ziel ist eine „stringente Fortführung der Standortsicherung Gerolzhofen“. Das betreffe sowohl die medizinische Seite als auch die Sicherung der Arbeitsplätze im 95-Betten-Haus. Schließlich sei ein Ziel, das Defizit der Geomed-Kreisklinik zurückzufahren, das sich in den letzten Jahren zwischen 900 000 und zwei Millionen Euro bewegte.

Bisherige Kooperationen funktionieren

Was eine Fusion für die derzeit 232 Beschäftigten und den Fortbestand der Fachabteilungen bedeuten würde, kann der Landrat zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten. Hier müsse über den Tag hinaus geplant, müssten Gespräche mit Chefärzten und Mitarbeitervertretern geführt werden. Wann mit einem Ergebnis der Prüfung zu rechnen sei, stehe noch nicht fest. Bisherige Kooperationen mit dem Leopoldina würden jedenfalls funktionieren.

Töpper nennt hier Synergien, die mit der räumlichen Einbindung der gastroenterologischen Filialpraxis Gerolzhofen des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) Leopoldina Schweinfurt unter dem Dach des Geomed einhergehen.

Geomed-Geschäftsführer Wolfgang Schirmer listet weitere schon bestehende Kooperationsfelder zwischen Geomed und Leopoldina auf: die Arzneimittelversorgung durch die Apotheke des Leopoldina, gemeinsame Tumorkonferenzen, Bestellung medizinischen Sachbedarfs, gegenseitige Unterstützung bei Schulungen und Qualifikationen.

Für Töpper ist ein kommunaler Träger als Partner wichtig

Töpper betont, ihm sei wichtig, ein Haus mit kommunalem Träger als Partner zu haben. Er suche keine schnelle Lösung, etwa durch einen Verkauf des Geomed an einen privaten Krankenhausträger. Eine Kooperation oder Fusion sei auch besser als eine Schließung. Das werde nach seiner Wahrnehmung auch im Kreistag parteiübergreifend so gesehen.

Dass die Möglichkeit einer Fusion von Leopoldina und Geomed länger im Raum steht, wusste Geomed-Betriebsratsvorsitzender Toni Niedermeier, nicht aber, dass es schon konkrete Untersuchungen im Haus gibt. Das steht im Widerspruch zu Töppers Aussage, die Verhandlungen um die weitere Entwicklung sollten transparent sein. Niedermeier müsste über diese Entwicklung Bescheid wissen, denn er gehöre dem Verwaltungsrat an, sagt der Landrat.

In Größe und Wirtschaftlichkeit unterscheiden sich beide Häuser erheblich

In ihrer Größe und Wirtschaftlichkeit unterscheiden sich beide Häuser erheblich. Während das Leopoldina-Krankenhaus in den letzten Jahren jedes Jahr zwischen zwei und vier Millionen Euro Gewinn eingefahren hat, wies die Geomed-Klinik zwischen einer und zwei Millionen Euro Verlust aus. Das Leopoldina ist mit knapp 700 Betten und 1700 Beschäftigten gut siebenmal größer als die Geomed-Klinik mit 95 Betten und 232 Beschäftigten.

Quelle: http://www.mainpost.de/regional/schweinfurt/Beziehungen-und-Partnerschaft-Gastroenterologie;art742,9654664
© Main-Post 2017



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