News

Zurück


14.07.2017

Bei Leistenbruch rechtzeitig zum Arzt

„Das ist schon ungewöhnlich, dass heute mehr Frauen als Männer da sind“, sagte Dr. Michael Dietrich am Donnerstag beim jüngsten Arzt-Patienten-Seminar in der Gerolzhöfer Geomed-Kreisklinik.

Das Thema seines Vortrags lautete „Leistenbruchoperation ohne Kunststoffnetz und Vollnarkose“. Weil etwa 80 Prozent der Leistenbrüche beim maskulinen Geschlecht anfallen, war der Chefarzt der Allgemein-, Gefäß- und Viszeralchirurgie ein wenig überrascht von der Zusammensetzung des Auditoriums.

Unterschiedliche Schwachstelle

„Bei einem Leistenbruch treten Organe der Bauchhöhle (häufig Darm) durch eine vorbestehende Öffnung der Bauchdecke nach außen, eingescheidet vom Bauchfell“, definierte der Referent die Erkrankung. Diese Schwachstellen seien bei Mann und Frau unterschiedlich. Beim Mann entsteht eine Lücke für den Samenstrang, bei der Frau eine Lücke für das Mutterband.

Einen vorhandenen Leistenbruch erkenne der Patient durch Vorwölbung in der Leiste, durch Druckschmerzhaftigkeit in der Leiste, ausstrahlende Schmerzen in Richtung Hoden oder Schamlippen sowie durch Beschwerden bei bestimmten Bewegungen wie Husten, Heben oder Pressen. In knapp einem Drittel aller Fälle sei ein beidseitiger Leistenbruch vorhanden. Die Gefahr bei einem Leistenbruch bestehe im Einklemmen des Darms, der dann durch die Drosselung der Durchblutung absterben könne. Deshalb sei eine klinische Untersuchung sehr wichtig, die immer im Stehen erledigt werde. Der Patient soll dabei pressen, nicht husten.

Untersuchung im Stehen

Indiziert seien auch die Austastung des Leistenkanals und eine Ultraschalluntersuchung, die ebenfalls im Stehen durchgeführt wird. Zur Versorgung des Leistenbruches stehen laut Dietrich heutzutage verschiedene Operationsmethoden zur Verfügung. Bei der minimalinvasiven Operation muss immer ein Kunststoffnetz eingebracht werden und die Operation ist nur in Vollnarkose möglich.

In der Geomed-Klinik werde die Operation nach Edward Earle Shouldice bevorzugt. Der Kanadier entwickelte in den 1960er-Jahren eine Methode des Bruchlückenverschlusses, die ohne Fremdkörper (kein Kunststoffnetz) auskommt und in örtlicher Betäubung durchgeführt werden kann. Diese weltweit bewährte Operationsmethode habe mit nur einem Prozent die geringste Rate für das Risiko eines erneuten Leistenbruches, so der Referent.

Die Shouldice-OP, die Dr. Dietrich seit 20 Jahren anwendet, dauert etwa eine halbe Stunde. In der Klinik werden pro Jahr etwa 300 bis 400 Leistenbruchoperationen auf diese Weise durchgeführt. „Unter den Patienten sind viele Leistungssportler“, erklärte der Vortragende. Sport sei bereits nach zehn bis 14 Tagen wieder möglich. Als Fazit gab der Chefarzt den interessierten Zuhörern mit auf den Weg: „Bei Leistenbruch rechtzeitig zum Arzt!“

Quelle und Foto: http://www.mainpost.de/regional/schweinfurt/Behandlungen;art769,9643467
© Main-Post 2017



Zurück






Quicklink kkCMS
  

Design und Realisierung: K&K Software AG