Wenn das Herz aus dem Takt gerät
26.01.2010
 | OA Jürgen Weigand FOTO: GEOMED-Klinik |
(ks) Wie sehr das Thema Herzrhythmusstörungen vielen Leuten am Herzen liegt, zeigte das überdurchschnittlich gut besuchte Patientenseminar der Geomed-Klinik.
„Wenn das Herz aus dem Takt gerät“, über dieses Thema referierten Oberarzt Jürgen Weigand und der Chefarzt der Chirurgie, Dr. Michael Dietrich. Eingangs stellte der Chefarzt der Inneren Abteilung, Dr. Manfred Klein, den neuen Oberarzt Jürgen Weigand vor, dessen Spezialgebiet unter anderem die „spezielle internistische Intensivmedizin“ ist.
Herzrhythmusstörungen seien ein komplexes Thema, das in erster Linie auch eine gute Zusammenarbeit zwischen dem Internisten und dem Chirurgen voraussetze, sagte Klein. Etwa 60 bis 80 Mal in der Minute zieht sich ein gesunder Herzmuskel zusammen, um sich dann wieder zu entspannen und so das Blut in den Kreislauf zu pumpen. Dafür sorgt der Sinusknoten in der rechten Herzkammer. Er ist es, der elektronische Impulse in das Sehnengeflecht sendet. Fällt der Sinusknoten einmal aus, springt der so genannte AV-Knoten ein.
Ursache für Herzrhythmusstörungen können zum Beispiel eine organische Erkrankung des Herzmuskels oder eine Schädigung der Reizbildungs- und Reizleitungsstrukturen des Herzens sein. Dies kann von Geburt an sein, häufiger jedoch sind folgende Faktoren: Bluthochdruck, Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße, Herzinfarkt, Herzklappenfehler, Herzmuskelentzündung oder ein krankhaft geschwächtes Herz. Aber auch eine Überfunktion der Schilddrüse kann das Herz manchmal aus dem Takt bringen. Auf jeden Fall muss der Arzt hinzugezogen werden, der durch gezielte Untersuchungen eingreifen kann.
Sind die Störungen aber dauerhaft, drohen schwere gesundheitliche Schäden und in einigen Fällen totales Herzversagen. Je nach Art des Herzrasens können folgende Symptome auftreten: Herzklopfen, Herzrasen, unregelmäßiger Puls, Schwindel, Kollaps und Ohnmachtsanfälle.
Grundsätzlich ist der Entstehungsort, entweder Herzvorhof oder Herzkammer, zu ergründen. Die Störungen mit Ursprung im Vorhof sind eher harmlos, die in der Herzkammer entstehen, können lebensbedrohliche Ausmaße annehmen. Doch auch das Vorhofflimmern, hier sind besonders ältere Menschen betroffen, muss behandelt werden, damit sich die Herzschwäche nicht verschlimmert. Hier wird der Arzt eine Kardioversion, bei der das Herz mit Medikamenten oder Elektroschocks wieder in seine normale Schlagfolge gebracht wird, anwenden.
Bei manchen Patienten ist eine Behandlung von Vorhofflimmern nicht nötig. Bei ihnen muss allerdings die Gefahr der Bildung von Blutgerinnseln, die die Blutbahnen verstopfen und einen Schlaganfall auslösen können, behandelt werden.
Lebensbedrohlich allerdings ist das Kammerflimmern, bei dem das Absinken der Pumpleistung des Herzens im Vordergrund steht. Hier kann sich der Herzmuskel bei rasendem Herzschlag nicht mehr vollständig zusammenziehen und somit wird die Herzkammer nicht mehr mit Blut versorgt. Ohne raschen Eingriff ist Herzversagen die Folge. Rettung bringt hier der Defibrillator. Dieses kleine Gerät kann, implantiert, die Gefahr einer lebensbedrohlichen Rhythmusstörung nahezu ausschließen.
Dr. Michael Dietrich erläuterte anschließend die Implantationsmethoden eines Herzschrittmachers und eines Defibrillators. Heute, so der Chirurg, muss keiner mehr Angst davor haben. In Normalfällen geht das Ganze sogar nur mit örtlicher Betäubung über die Bühne. Narkose bekommt der Patient beim Einsetzen eines Defibrillators. Bei einem Einkammerschrittmacher dauert die Operation 15 bis 20 Minuten, bei einem Zweikammerschrittmacher 30 bis 40 Minuten. Beim Defibrillator dauert die Operation 30 bis 40 Minuten. Der Schnitt ist vier bis fünf Zentimeter lang und das Gerät wird unter die Haut gesetzt, nur bei ganz schlanken Menschen wird man unter den Brustmuskel gehen. Vernäht wird mit einer kosmetischen Naht. Die Einwachszeit dauert ungefähr vier Wochen.
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