Türen öffnen, zuhören und Zeit schenken
28.01.2010
 | Immer wieder spannend: Wer wie Diakon Günter Schöneich im Krankenhaus-Besuchsdienst arbeitet, weiß nicht, wer ihn erwartet, wenn er die Tür zum Patientenzimmer öffnet. Foto: Susanne Wiedemann |
Zehn Minuten. Eine Stunde. Wie lange ein Gespräch dauert, ist ganz unterschiedlich, sagt Diakon Günter Schöneich. Er kümmert sich nicht nur um die Seelsorge in der Geomed-Klinik sondern auch um den ökumenischen Besuchsdienst. Gut 20 ehrenamtliche Mitarbeiter arbeiten mit. Vorwiegend ältere Leute sind das, vorwiegend Frauen. „Zuhören, reden, das ist halt eher eine Frauensache“, meint Schöneich. Trotzdem hat er die Erfahrung gemacht, dass Patientinnen auch mal gerne mit einem Mann über ihre Probleme reden. Da trifft es sich gut, dass seit kurzem ein Mann zur Truppe gehört. Für die Gruppe ist das auch schön, meint Schöneich. „Ein Mann bringt eine andere Art rein.“ Die Kunst des Zuhörens
Jemand Fremden zu besuchen, der im Krankenhaus liegt, ist schon was anderes, als mal bei der Nachbarin vorbeizuschauen. Wenn man sich kennt, fällt ein Gespräch vielleicht leichter. Beim Besuchsdienst ist die Kunst des Zuhörens gefragt, sagt Schöneich. „Der Gesprächspartner gibt Inhalt und Länge vor.“ Er und das Besuchsteam erleben aber auch oft, wie gut es den Leuten tut, sich mal mit jemanden auszusprechen, der nicht zur Familie oder zum Freundeskreis gehört. Da muss man nicht stark sein. Kann besser zugeben, dass es doch noch nicht so gut geht, wie es die anderen gerne hören würden.
„Wie fühlen Sie sich?“, fragt Günter Schöneich gern zum Auftakt, nachdem er sich vorgestellt hat. „Wie geht's ist so abgedroschen.“ Fragt man nach Gefühlen, kommen die Leute außerdem viel leichter ins Erzählen, hat er beobachtet. „Dann kommt, was auf der Seele, auf dem Herzen liegt.“
Oberstes Gebot beim Besuchsdienst: Verschwiegenheit. „Die Dinge im Haus belassen“, sagt Schöneich. Für vorurteilsfrei zuhören, für Menschlichkeit im Krankenhausalltag ist der Besuchsdienst zuständig. Aber auch mal für kleinere Dienste: Eine Zeitung holen, eine Kleinigkeit besorgen. Und ab und an auch mal eine kleine Brücke bauen, zur Familie oder zum Personal im Krankenhaus.
Von Tür zu Tür gehen die Besucher – in der Klinik wie auch in der Kurzzeitpflege. Ob sich der Patient im Bett überhaupt freut über Besuch, wie das Gespräch laufen wird, das weiß keiner der ehrenamtlichen Besucher. Schöneich spricht von Schwellenangst: „Ich weiß nicht, was mich da drinnen erwartet.“
Der Diakon beobachtet auch immer, wie viel einfacher ein persönlicher Kontakt herzustellen ist, wenn beide Gesprächspartner aus der gleichen Kante kommen, den gleichen Dialekt sprechen. Um die Menschen zu verstehen, muss man in der Region großgeworden sein, ist seine Überzeugung. Bereicherung für Kurzzeitpflege
„Der Besuchsdienst ist eine Bereicherung“, sagt Martin Hümmer, der Leiter der Kurzzeitpflege. Er findet es beeindruckend, wie sich die Helfer immer wieder auf neue Gegenüber einlassen können, mit wieviel Freude sie dabei sind. „Die Leute machen das, weil sie es wollen. Nicht weil sie müssen.“ Als eine wesentliche Stütze für die Patienten sieht Chefarzt Dr. Manfred Klein den Besuchsdienst. Schöneich beobachtet immer wieder, wieviel die Helfer aus den Begegnungen ziehen. „Wir bekommen oft mehr, als wir geben.“
Die Besuchsdienstler, die bewusst im Auftrag der beiden Kirchengemeinden unterwegs sind, treffen sich einmal im Monat zum Erfahrungsaustausch, zur Reflexion. Sich auszutauschen ist wichtig für die Gruppe, sagt Schöneich. Außerdem schweißen die Treffen zusammen. Treu nach dem Wahlspruch auf Flyer und Plakat: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“ Wer sich für die Mitarbeit beim Ökumenischen Besuchsdienst (auch im Wohnstift) interessiert, kann sich melden im Katholischen Pfarramt in Gerolzhofen Tel. (0 93 82) 9 75 20 oder im Evangelischen Pfarramt, Tel. (0 93 82) 15 97. www.mainpost.de
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