27.07.2009
Ein fast völlig normales Leben mit Fahrradfahren und Vielem mehr können Christine Barth und Anita Schmeußer aus Gerolzhofen seit Jahren mit ihren neuen Organen führen. Beide berichteten über ihre Erfahrungen und Eindrücke nach diesem einschneidenden Ereignis im Rahmen eines Arzt-Patientenseminars in der Geomed-Klinik. Eingeladen hatten dazu die Transplantationsbeauftragten der Geomed-Klinik, Oberarzt Jörg Fierlings, und Diakon Bernhard Trunk. Heute, so Fierlings einleitend, sei das Verfahren bei Transplantationen sehr sicher und werde in etwa 50 Kliniken in Deutschland praktiziert. Jeden Tag werden in Deutschland durchschnittlich elf Transplantationen durchgeführt, in der Hauptsache Nieren, Leber, Herz, Lunge und Dünndarm. Vor jeder Transplantation muss der Hirntod beim Spender zweifelsfrei von zwei Ärzten, getrennt voneinander, festgestellt werden, sagte Fierlings. Schwierig sei die Frage der Einwilligung der Hinterbliebenen, wenn kein Organspenderausweis vorliegt. Leider hätten auch heute noch sehr wenige Menschen ein entsprechendes Dokument. Es werde dann an die Angehörigen herangetreten, um zu erfahren, wie der gerade Verstorbene entschieden hätte. Fierlings kritisierte in diesem Zusammenhang die teils mangelhafte Ausbildung von Ärzten, da im Studium der Umgang mit derart sensiblen und aufrüttelnden Themen keine oder nur eine geringe Rolle spiele. Zum anderen werde in der heutigen Zeit die Thematik um den Tod vielfach verdrängt und damit auch die Organspende nicht in der Familie angesprochen. Trotzdem würden viele Angehörige einer Organentnahme zustimmen. Nach einer Zustimmung wird dann der Hirntote medizinisch untersucht und nach Absprache mit den Datenbanken und Organzentren typologisiert, das heißt festgestellt, welche Organe zur Spende in Frage kommen. Erst dann erfolgt die Organentnahme und der Organtransport. Diakon Bernhard Trunk trug die Problematik aus christlicher Sicht vor. Die Kirche stehe sehr positiv zur Organspende. Selbst Papst Benedikt XVI. habe einen Spenderausweis. 1990 gab es eine Erklärung der Bischöfe zur Gewebe- und Organtransplantation. Für die Christlichen Kirchen wie für den Islam sei die Organspende die höchste Form der Nächstenliebe. Allerdings dürfe niemand hierzu gezwungen werden. Große Dankbarkeit gegenüber ihrer unbekannten Spenderin zeigte Anita Schmeußer, die seit über 14 Jahren mit einer Spenderniere lebt. Drei Jahre lang war sie vorher auf die Dialyse angewiesen und in ihrem Leben stark eingeschränkt. Sie und ihre Freundin Christine Barth berichteten den Zuhörern, wie nach dem Erhalt der Spenderorgane Selbstverständlichkeiten des Lebens als ein großes Geschenk wahrgenommen würden. Trotz der Medikamente, die sie weiterhin täglich nehmen müssen, könnten sie ihr gewohntes Leben wieder normal führen. Abschließend sagte Oberarzt Fierlings, dass bei bestehenden langen Wartelisten heute noch mehr Menschen ihren Willen zur Organspende erklären sollten. Er bot an, bei interessierten Vereinen und Organisationen Fragen zur Organspende im Rahmen eines Vortrags zu beantworten, Kontaktaufnahme über die Geomed-Klinik oder direkt bei einem der Referenten.
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